“Landleben 1626 – Der Zöllner und die zehn Musketiere” im Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall – Wackershofen vom 03. bis 05.04.2026
Auch in diesem Jahr verwandelte sich das Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen am Osterwochenende wieder in ein Dorf des frühen 17. Jahrhunderts. Unter dem Titel „Landleben 1626 – Der Zöllner und die zehn Musketiere“ wurde das Leben an der Grenze zwischen der Reichsstadt Schwäbisch Hall und dem Herzogtum Württemberg dargestellt. Im Mittelpunkt stand diesmal die Einquartierung einer zehnköpfigen Musketierabteilung im Zollhaus von Bubenorbis, deren Auftrag es war, den Zöllner zu unterstützen und den Grenzposten zu sichern.
Wie bereits im Vorjahr stand nicht nur das Militär im Mittelpunkt, sondern das gesamte Dorfleben. Handwerker gingen ihrer Arbeit nach, in den Häusern wurde gekocht und gearbeitet, auf den Feldern wurde gedroschen und repariert. Gerade diese enge Verzahnung von zivilem Alltag und militärischer Präsenz machte deutlich, wie sehr der Krieg bereits in den Alltag der Bevölkerung eingedrungen war.
Den Mittelpunkt der Darstellung bildeten die zehn Musketiere, die im Zollhaus einquartiert waren. Ihre Aufgabe bestand nicht allein darin, den Grenzübergang zu bewachen, sondern auch den Zöllner bei Kontrollen zu unterstützen und für Ordnung zu sorgen. Immer wieder mussten Händler überprüft, Reisende kontrolliert und kleinere Zwischenfälle geregelt werden.
Dabei zeigte sich eindrucksvoll, dass Soldaten des 17. Jahrhunderts weit mehr taten als nur zu kämpfen. Zwischen den Wachgängen gehörten Waffenpflege, Exerzieren, Schießausbildung und die Instandhaltung der Ausrüstung zum täglichen Dienst. Besonders anschaulich war das Flechten einer Zielscheibe, bevor die Musketiere ihr gezieltes und schnelles Schießen übten – stets unter den kritischen Blicken ihres Korporals, der mit den Leistungen seiner Männer nicht immer zufrieden war. Ebenso selbstverständlich wie das Schießen war anschließend die gründliche Reinigung der Musketen, die für die Funktionsfähigkeit der empfindlichen Luntenschlosswaffen unerlässlich war.
Die Musketiere waren während der gesamten Veranstaltung eng in das Leben der Dorfbewohner eingebunden. Während Schmiede Werkzeuge reparierten und Bauern ihre Korn-Vorräte droschen, sicherten die Soldaten das Gelände oder unterstützten bei verschiedenen Aufgaben. Gerade diese alltäglichen Situationen vermittelten den Besuchern ein realistisches Bild vom Zusammenleben zwischen Militär und Landbevölkerung.
Mehrfach mussten die Soldaten auch eingreifen. So nahmen sie einen Pferdedieb fest, sperrten ihn zunächst im Stall des Zollhauses ein und führten ihn anschließend in Ketten nach Hall ab. Auf dem Weg kam es noch zu einer Rangelei an einer Brücke, die den Vorfall zusätzlich dramatisierte. Solche kleinen Spielszenen machten historische Abläufe für die Besucher besonders greifbar.
Auch die Sicherung des Grenzpostens wurde dargestellt. Als bewaffnete Bauern mit Fackeln auftauchten, ließ der Korporal seine Musketiere sofort antreten. Durch ihr geschlossenes Auftreten gelang es ihnen, die Situation ohne Gewalt zu entschärfen und die Lage unter Kontrolle zu halten – ein schönes Beispiel dafür, dass militärische Präsenz oftmals bereits durch Disziplin und Organisation Wirkung entfaltete.
Wie schon in den vergangenen Jahren überzeugte die Veranstaltung durch ihre wissenschaftlich fundierte Darstellung. Sämtliche Szenen orientierten sich an archivalischen Quellen aus der Region und vermittelten ein differenziertes Bild des Jahres 1626. Dabei wurde deutlich, dass Grenzschutz, Zollwesen und militärische Einquartierungen untrennbar miteinander verbunden waren und das Leben der Bevölkerung nachhaltig prägten.
Für die Besucher bot sich dadurch die Gelegenheit, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern unmittelbar zu erleben. Die Darsteller beantworteten Fragen, erklärten Ausrüstung und Arbeitsweisen und ließen die Besucher an ihrem Alltag teilnehmen – sei es beim Schmieden, Dreschen, Kochen oder bei den Übungen der Musketiere.
Mit „Landleben 1626 – Der Zöllner und die zehn Musketiere“ ist den Organisatoren erneut eine eindrucksvolle Living-History-Veranstaltung gelungen. Besonders die Darstellung der Musketiergarnison vermittelte anschaulich, dass der Soldatenalltag weit mehr umfasste als Gefechte: Wachdienst, Ausbildung, Waffenpflege und das Zusammenleben mit der Zivilbevölkerung bestimmten den Alltag ebenso wie das Eingreifen bei kleineren Zwischenfällen.
Die Kombination aus historischem Handwerk, zivilem Dorfleben und authentischer Militärdarstellung machte auch die diesjährige Veranstaltung zu einem gelungenen Erlebnis für Besucher und Darsteller gleichermaßen und knüpfte nahtlos an den Erfolg von Landleben 1625 an.
Ausführlicher Bericht:
- Teil 1: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2026/04/der-zollner-und-die-zehn-musketiere.html
- Teil 2: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2026/04/der-zollner-und-die-zehn-musketiere_20.html
- Teil 3: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2026/05/der-zollner-und-die-zehn-musketiere.html
VIVA SANTA MARIA!
Fotos von Rebekka Mahr:






















































































































































