Pikenier

Die wohl taffeste Truppengattung auf dem gesamten Schlachtfeld stellen die Pikeniere dar. Du erlebst hautnah wie es sich anfühlt, dem Gegner Auge in Auge gegenüberzustehen und im sich im Schlachtengetümmel mal richtig auszupowern. Jeder Erwachse ohne körperliche Einschränkungen, egal welchen Geschlechts, kann Pikenier werden und in vorderster Reihe am Kampfgeschehen teilhaben.

Ausrüstung

Neben dem Standardsatz an Bekleidung, bestehend aus Leinenhemd, Wams, Hose, Strümpfen und stabilen Schuhen, benötigen Pikeniere zusätzlich einen Satz an Schutzausrüstung sowie ihre Pike. Die Pike ist in unserer Kompanie 4,5m lang und besitzt aus Sicherheitsgründen keine Spitze. Ledernen Überwams, Stulpenhandschuhe, Rüstung (“Harnisch”) und Helm schützen den Pikenier im Kampf. Für den Nahkampf kann der Spießer zudem einen Felddegen oder eine einfache Gebrauchsaxt mit sich tragen.

Pikenier, Jacob de Gheyn, Waffenhandlung von den Röhren, Mussqueten und Spiessen, 1608, (bearbeitet)

Aufwand

Um Pikenier zu werden, benötigt es nicht viel. Wir versuchen so viel Ausrüstung wie möglich selbst anzufertigen, wobei Du die Möglichkeit hast, unter Anleitung Deine eigene Pike zu hobeln und Klamotten zu schneidern. Das spart Geld und Du erfährst etwas über Handwerk und Materialkultur des 17. Jahrhunderts. Sobald Du Mitglied in unseren Reihen wirst, erhältst Du unsere Guides zur Ausrüstung, in welchen nochmal genau erläutert ist, was Du alles benötigst. Unter dem Punkt “Publikationen” im Menü Darstellung findest Du mehr hierüber.

Hintergrund

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges bildeten die Pikeniere den Hauptteil der Armee. In den frühen Formationen nahmen sie gut 2/3 der Truppen ein und wurden auf Grund der gefährlichen Kampfposition als “Doppelsöldner” aufgeführt. Die Hauptaufgabe der Pikeniere bestand in der Abwehr von Reiterattacken und dem Schutz der Musketiere während des Ladevorgangs. Die Taktik der Reiterei, in eine Pikenierformation hineinzureiten und diese so aufzulösen erwies sich jedoch als wenig ressourcenschonend und wurde ausgemustert. Mit Zunahme der Feuerkraft der Musketen, Karabiner und Pistolen änderten Schützen und Reiter ihr vorgehen und eröffneten aus weiterer Entfernung das Feuer auf die Pikenierformationen, bis diese ausgedünnt waren. Ein weiterer negativer Effekt der gesteigerten Schusswaffeneffizienz ist der unzureichende Schutz der Pikenierrüstung. Geht man bei einer normalkalibrigen Luntenschlossmuskete von einer Mündungsgeschwindigkeit von 300m/s aus, so durchschlägt das Projektil den 1,5 – 2mm starken Harnisch samt seines Trägers. Selbst auf eine Entfernung von 100m durchschlägt die Kugel die Brustplatte und dringt in den Körper ein. Verdoppelt man diese Entfernung, so bietet der Harnisch genug Schutz vor dem Eindringen der Kugel, wobei der Träger schwere Prellungen davon trägt. Die Rolle des Pikeniers wurde während dem fortlaufen des Krieges immer unbeliebter, sodass sich gegen Ende nur noch ca. 1/3 Pikeniere in den Armeen befanden. Auch die Rekrutierung neuer Spießer stellte trotz höherem Soldes ein Problem dar. Von Grimmelshausen beschrieb dies schon kurz nach dem Krieg in seinen Simplicianischen Schriften:

„Ich mußte eine Pike tragen, welches mir so widerwärtig war, daß ich mich ehe hätt aufhängen lassen, als mit solchen Waffen lang zu kriegen.[…] Ein Musketierer ist zwar eine wohlgeplagte arme Kreatur, aber wenn ich ihn gegen einen elenden Pikenierer schätze, so besitzt er noch gegen ihn eine herrliche Glückseligkeit […] In Summa ich habe mein Tage viel scharfe Occassionen gesehen, aber selten wahrgenommen, daß ein Pikenierer jemand umgebracht hätte“.

Impressionen unserer Pikeniere