Der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg – Über die Epoche

Der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg – Über die Epoche

Der Früh­ba­rock, in der ers­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts war eine Euro­päi­sche Kunst­epo­che, die die Renais­sance mit ihrer klar geglie­der­te Kunst ablös­te. In die­ser Zeit der Gegen­re­for­ma­ti­on und des begin­nen­den Abso­lu­tis­mus beginnt der ers­te gro­ße Deut­sche Krieg. Man kann sogar sagen, bedingt durch die damals bekann­te Welt und den teil­neh­men­den Staa­ten, das es ein Welt­krieg war.

Offi­zi­ell begon­nen mit dem Pra­ger Fens­ter­sturz, eigent­lich schon frü­her, wur­de die­se zuerst als Glau­bens­krieg geführ­te Aus­ein­an­der­set­zung zum Selbst­läu­fer. Immer neue füh­ren­de Figu­ren tauch­ten auf und führ­ten die­sen Krieg aus irgend­wel­chen Grün­den wei­ter. Betrach­tet man die­se mili­tä­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung genau­er, so ging es nur um Macht und Land. 

Genau genom­men bestand der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg aus 4 Epo­chen. dem böh­misch-pfäl­zi­schen Krieg (1618 – 1623), dem dänisch-nie­der­säch­si­schen Krieg (1623 – 1629), dem schwe­di­schen Krieg (1630 – 1635) und dem schwe­disch-fran­zö­si­schen Krieg (1635 – 1648). 30 Jah­re soll­te er dau­ern und wei­te Tei­le der betrof­fe­nen Län­der, haupt­säch­lich Deutsch­lands ver­hee­ren. Da die betei­lig­ten Arme­en zu kei­ner Zeit aus­rei­chend ver­sorgt waren, besorg­ten sich die Sol­da­ten was sie zum Leben brauch­ten bei der Bevöl­ke­rung, vor­wie­gend bei der Land­be­völ­ke­rung. Ein viel zitier­ter Spruch aus Grim­mels­hau­sens Werk „Der selt­sa­me Springinsfeld“: 

„Sobald ein Sol­dat wird gebo­ren, sein ihm drei Bau­ern auserkoren.

Der ers­te, der ihn ernährt,

der ander, der ihm ein schö­nes Weib beschert,

und der dritt, der vor ihn zur Höll fährt.“

Gan­ze Land­stri­che waren nach dem Frie­dens­schluss 1648 ver­waist. Die Bevöl­ke­rung schrumpf­te in man­chen Gegen­den auf ein Drit­tel ihres Bestan­des von 1618. Eini­ge Ter­ri­to­ri­en die der Krieg voll getrof­fen hat, brauch­ten mehr als 100 Jah­re, um sich von den Fol­gen zu erho­len. Das Hei­li­ge Römi­sche Reich war nach der Zah­lung von 5.000.000 Reichs­ta­ler an den schwe­di­schen Staat wegen Auf­wen­dun­gen der schwe­di­schen Armee finan­zi­ell rui­niert. Dabei hät­te der schwe­di­sche Staat Wie­der­gut­ma­chung zu zah­len gehabt. Um die 1400 zer­stör­te Städ­te, 18.000 Dör­fer und fast 2.000 Schlös­ser, geplün­der­te und zer­stör­te Biblio­the­ken zeu­gen von den schwe­di­schen Akti­vi­tä­ten im Reich. Doch auch die Kai­ser­li­chen Trup­pen und ande­ren Streit­kräf­te stan­den den Schwe­den in Bezug auf den Zer­stö­rungs­wil­len nichts nach.

Plün­de­rung einer Ort­schaft durch die Sol­da­tes­ka, Pie­ter Snay­ers (1592−1666)

Nicht nur das Reich lag am Boden, der Groß­teil der noch leben­den Bevöl­ke­rung war ihrer Exis­tenz­grund­la­gen beraubt. Aber nach 30 Jah­ren war zu min­des­tens Frie­den. Die Nach­wir­kun­gen die­ses Krie­ges zogen sich noch lan­ge hin.

Gal­gen­baum, Jac­ques Cal­lot (1592−1635) steht für das Urt­rau­ma der Deut­schen: die Ver­wüs­tun­gen des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieges.

Zeit­gleich und eng ver­bun­den tob­te in den heu­ti­gen Nie­der­lan­den der Spa­nisch – Nie­der­län­di­sche Krieg um die Unab­hän­gig­keit der Repu­blik der 7 Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de von der spa­ni­schen Herr­schaft. Die Unab­hän­gig­keits­be­stre­bun­gen fin­gen bereits 1566 an und so soll­te die­ser Krieg 80 Jah­re dau­ern. Auch er ende­te 1648 mit der Aner­ken­nung die­ser Repu­blik durch Spa­ni­en bei den Ver­hand­lun­gen zum west­fä­li­schen Frieden.

Die Mit­glie­der der Inter­es­sen­ge­mein­schaft beschäf­ti­gen sich mit der Erfor­schung die­ser Zeit. Die authen­ti­sche Dar­stel­lung ist nur mög­lich, wenn das nöti­ge Wis­sen über die dar­ge­stell­te Zeit vor­han­den ist.

Zeit­ta­fel Drei­ßig­jäh­ri­ger Krieg

1618Der „Pra­ger Fens­ter­sturz“ führ­te zum Auf­stand der pro­tes­tan­ti­schen böh­mi­schen Stän­de gegen den katho­li­schen König Fer­di­nand II. aus dem Hau­se Habsburg.
1619Fer­di­nand II. wur­de zum Kai­ser des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nati­on gewählt. Die böh­mi­schen Stän­de setz­ten ihn als König Böh­mens ab und wähl­ten statt­des­sen den pfäl­zi­schen Kur­fürs­ten Fried­rich V.
1620Trup­pen der katho­li­schen Liga sieg­ten am Wei­ßen Berg in der Nähe von Prag über das böh­mi­sche Stän­de­heer. Fried­rich von der Pfalz ver­lor sei­ne Königs­wür­de und muss­te fliehen.
1621In den Nie­der­lan­den ging nach zwölf Jah­ren der Waf­fen­still­stand mit Spa­ni­en zu Ende. Die Kampf­hand­lun­gen began­nen erneut.
16221623Eini­ge pro­tes­tan­ti­sche Heer­füh­rer setz­ten den Krieg außer­halb von Böh­men fort. Meh­re­re Nie­der­la­gen dezi­mier­ten ihre Trup­pen, und tra­ten in nie­der­län­di­sche Diens­te ein.
1625Der pro­tes­tan­ti­sche König Chris­ti­an IV. von Däne­mark griff in den Krieg ein. Als Füh­rer der kai­ser­li­chen Trup­pen stell­te der böh­mi­sche Her­zog von Wal­len­stein eine gro­ße Streit­macht auf.
1626Die Dänen erlit­ten bei Lut­ter am Baren­ber­ge eine ver­nich­ten­de Nie­der­la­ge gegen die Trup­pen des Kai­sers und der Katho­li­schen Liga unter Johann Tse­r­cla­es von Tilly.
1627Til­ly und Wal­len­stein besetz­ten Nord­deutsch­land und die Halb­in­sel Jütland.
1628Kai­ser Fer­di­nand II. setz­te die mit Däne­mark ver­bün­de­ten Her­zö­ge von Meck­len­burg ab und über­trug deren Lan­des­herr­schaft auf Wallenstein.
1629Däne­mark schloss den Frie­den von Lübeck und schied aus dem Krieg aus. Das kai­ser­li­che Resti­tu­ti­ons­edikt ver­lang­te die Rück­erstat­tung ein­ge­zo­ge­ner katho­li­scher Besitz­tü­mer. Es bil­de­te sich eine star­ke pro­tes­tan­ti­sche Oppo­si­ti­on gegen die Katho­li­sche Liga. 
1630Auf Druck der Katho­li­schen Liga setz­te der Kai­ser Wal­len­stein ab. König Gus­tav II. Adolf von Schwe­den lan­de­te mit sei­ner Armee auf Usedom.
1631Kai­ser­li­che Trup­pen erober­ten das pro­tes­tan­ti­sche Mag­de­burg, plün­der­ten es und ver­üb­ten gro­ße Gräueltaten.
16311632Die Schwe­den rück­ten bis nach Süd­deutsch­land vor. Die Katho­li­sche Liga unter Til­ly unter­lag bei Brei­ten­feld und Rain am Lech. 
1632Der Kai­ser setz­te Wal­len­stein wie­der als Ober­be­fehls­ha­ber ein. Die Schlach­ten bei Nürn­berg und Lüt­zen, in der Gus­tav II. Adolf starb, been­de­ten den schwe­di­schen Vormarsch.
1633Reichs­kanz­ler Axel Oxen­s­tier­na über­nahm für die unmün­di­ge Köni­gin Chris­ti­na die Regie­rungs­ge­schäf­te in Schwe­den. Unter sei­ner Füh­rung bil­de­te sich der pro­tes­tan­ti­sche Heil­bron­ner Bund.
1634Albrecht von Wal­len­stein wur­de auf Befehl des Kai­sers im böh­mi­schen Eger ermor­det. In der Schlacht bei Nörd­lin­gen sieg­te die kai­ser­li­che Armee über die Schweden.
1635Die pro­tes­tan­ti­schen Reichs­stän­de schlos­sen mit dem Kai­ser den Pra­ger Frie­den. Das Resti­tu­ti­ons­edikt von 1629 wur­de aus­ge­setzt. Frank­reich erklär­te den Habs­bur­gern den Krieg.
1636Kai­ser­li­che Trup­pen mar­schier­ten in Frank­reich ein. Die bis nach Nord­deutsch­land zurück­ge­dräng­ten Schwe­den unter Feld­mar­schall Johan Banér sieg­ten in der Schlacht von Witt­stock über eine kai­ser­lich-säch­si­sche Armee unter Feld­mar­schall Mel­chi­or von Hatz­feld und Kur­fürst Johann Georg I.
1637 – 1643Auch der neue Kai­ser Fer­di­nand III. setz­te den Krieg fort. Ver­schie­de­ne Kriegs­zü­ge und Schlach­ten in Mit­tel­deutsch­land und Böh­men sowie in Ost­deutsch­land und dem Elsass blie­ben ohne ein­deu­ti­gen Sieger.
1644In Müns­ter und Osna­brück began­nen die vier­jäh­ri­gen Friedensverhandlungen.
1645Die Schwe­den dran­gen bis Wien und Prag vor und sieg­ten in einer der letz­ten gro­ßen Schlach­ten des Krie­ges bei Jankau.
1646–1647Trotz der Frie­dens­ver­hand­lun­gen gin­gen die Kämp­fe und die Ver­hee­run­gen brei­ter Land­stri­che weiter.
1648Der West­fä­li­sche Frie­den schrieb die Gleich­stel­lung der pro­tes­tan­ti­schen und katho­li­schen Kon­fes­si­on fest und erkann­te Glau­bens­frei­heit und Ter­ri­to­ri­al­ho­heit der Reichs­stän­de an. Die Schwei­zer Eid­ge­nos­sen­schaft und die Ver­ei­nig­ten Pro­vin­zen der Nie­der­lan­de wur­den unab­hän­gig. Neben Besitz­ver­schie­bun­gen der deut­schen Fürs­ten­tü­mer gewan­nen Schwe­den und Frank­reich Gebie­te hinzu.