Persönlichkeiten des Dreißigjährigen Krieges

Besonders die zweite Hälfte des Dreißigjährigen Krieges stellt eine eher weniger beleuchtete Zeit des Krieges dar, weshalb wir an dieser Stelle besonders folgende zwei Personen, die in diesen Jahren wirkten und engen Kontakt mit Johann Wolf pflegten, vorstellen möchten:

Johann von Werth

„Johann von Werth der Römischen Kaiserl. Majestät Kriegsrath, General über dero Kavallerie und bestellter Obrister zu Ross“

Neben dem Grafen von Pappenheim war der im niederrheinischen Dorf Büttgen(1) im Kurfürstentum Köln als Bauerssohn geborene Johann von Werth wohl einer der bekanntesten Reitergenerale des Dreißigjährigen Krieges. 1591 als eines von neun Kindern in ärmlichen Verhältnissen geboren, musste er schon früh in der Landwirtschaft helfen. In einer Überlieferung der ursprünglich in Friesland beheimateten Familie heißt es, dass sie aus einem alten, ritterlichen Geschlecht stamme und aufgrund ihres katholischen Glaubens vertrieben worden sei.

Johann von Wert, Pieter de Jode der Ältere (1570-1634)

Mit der Schreibweise nahm man es früher nicht so genau und so tauchen für diesen berühmten Reitergeneral verschiedene Namen auf. Werth, Wörth, Weert oder Werd sind einige Varianten des Nachnamen, Jan, Jean, Jois oder Johann solche für den Vornamen. Sein Testament unterschrieb der eigentlich des Lesen und Schreiben nicht mächtige Jan von Werth mit. „Finis testamenti: D. Baronis Jois de Weerth

Die Verhältnisse der Familie verschlechterten sich nach dem Tod des Vaters 1606, so dass die Mutter mit den Kindern in ein kleineres Haus umziehen musste. Jan musste mit Arbeiten auf fremden Höfen Geld verdienen.

Im Jahre 1610 trat Jan von Werth im Alter von 19 Jahren in das spanische Heer des Generals Ambrosio Spinola, Marqués de los Balbases, (1569 – 1630) als gemeiner Soldat bei den wallonischen Reitern ein. Im Lauf der Zeit diente er sich durch seine Tüchtigkeit und seine Tapferkeit zum Offizier hoch.

1620 nahm er an der Schlacht am Weißen Berg vor Prag teil. 1621 wechselte er in Kurkölnische Dienste und wurde bei der Belagerung von Jülich zum Rittmeister ernannt. Später kämpfte er in der Katholischen Liga unter Tilly. Er nahm an den Feldzügen in den Niederlanden, dem Elsass und Franken teil. Als Obristwachtmeister (Major) wird er 1631 im bayerischen Regiment Eynatten aufgelistet. 1632 wurde er zum Obristen befördert und war nun Kommandant des Regimentes von Eynatten. Nach dem Sieg über ein schwedisches Korps bei Herrieden im Februar 1634 wurde Jan von Werth zum Generalwachtmeister befördert.

Auf dem Weg nach Nördlingen brandschatzten seine Truppen am 24. August das mittelfränkische Wassertrüdingen.

Mit seinen Reitern führte er die Entscheidung in der Schlacht von Nördlingen am 06.09.1634 herbei. In dieser Schlacht kämpfte ein spanisch-kaiserlich/bayerisches Heer unter dem Kardinalinfanten Ferdinand (1609-1641), einem Sohn König Philipps III. von Spanien, und General Matthias Graf Gallas (1584 bis 1647), gegen ein protestantisch-schwedischen Heer unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar (1604-1639) und General Gustav Horn (1592-1657). General Horn geriet mit 6000 seiner Soldaten in Gefangenschaft, und weitere 12000 blieben verwundet oder tot auf dem Schlachtfeld.
Die Schweden mussten durch diese Niederlage einen großen Gebietsverlust in Süd- und Südwestdeutschland hinnehmen. Mit einer Erhebung in den Freiherrnstand durch Kaiser Ferdinand II. wurde Jan von Werth für seinen schlachtentscheidenden Einsatz belohnt. Der bayerische Kurfürst Maximilian I. (1573-1651)beförderte Jan von Werth zum Feldmarschallleutnant und Generalwachtmeister.
Am 27. Oktober 1635 wurde zwischen Bernhard von Sachsen-Weimar und den Franzosen ein Bündnisvertrag abgeschlossen, worin sich Bernhard von Sachsen-Weimar verpflichtete, gegen eine Zahlung von 4 Mill. Livres ein 18.000 Mann starkes Heer im Sold Frankreichs aufzustellen und ihm im Gegenzug die Anwartschaft auf die damals österreichische Landgrafschaft Elsass in Aussicht gestellt wird.

Jan von Werth griff nun die Franzosen direkt an und trug den Krieg nach Frankreich hinein. Während des Einfalles in die Picardie gelangte er an der Spitze der Vorhut des kaiserlich-bayerischen Heeres mit seinen Dragonern – das waren mit Musketen bewaffnete Reiter, also eine Art berittene Infanterie – bis vor die Tore von Paris. Hier erscheint auch der Name des Johann Wolf.

Verstärkt durch die Franzosen wurde das Heer Bernhards von Sachsen-Weimar sogleich an anderer Stelle aktiv. Es bemächtigte sich im Jahre 1637 der kurtrierischen Festung Hermannstein (später Ehrenbreitstein bei Koblenz). Jan von Werth rückte mit seinem Korps und verschiedenen Hilfstruppen heran und brachte nach kurzer Belagerung die Festung durch einen Handstreich wieder in deutschen Besitz.

Bei der Schlacht von Rheinfelden am 3. März 1638 wurde Jan von Werth von gegnerischen Truppen unter Bernhard von Weimar gefangengenommen und nach kurzer Festsetzung an die Franzosen ausgeliefert. Man brachte ihn von der Festung Bendorf im Elsass nach Paris. Das hohe Ansehen des bayerischen Reitergenerals bei Kardinal Richelieu ermöglichte ihm eine sehr ehrenvolle Gefangenschaft. So durfte er auf Ehrenwort an vielen Gesellschaften teilnehmen und sich in der französischen Hauptstadt frei bewegen. Nach vier Jahren Gefangenschaft wurde Jan von Werth am 24. März 1642 gegen den schwedischen General Gustaf Horn ausgetauscht. Zudem wurde eine hohe Lösegeldsumme gezahlt.
Nach seiner Rückkehr engagierte ihn der Kölner Erzbischof und Kurfürst Ferdinand von Bayern, ein Bruder des bayerische Kurfürst Maximilian I., als Heerführer, um seine niederrheinische Heimat von der schwedisch/französischen Besatzung zu befreien.

Anfang August 1642 wurde er im Lager bei Zons vom Kölner Kurfürsten dem Heer als kaiserlicher und kurbayerischer Generalleutnant der Kavallerie vorgestellt. Die Reorganisation seiner Truppen nahm er sogleich in Angriff. So wurde neue Bewaffnung, Bekleidung und Verpflegung besorgt und die bisher sehr gelockerte Disziplin wieder hergestellt.
 

Nachdem im Niederrheinischen Grevenbroich, Mönchengladbach, Hülchrath, Neersen, Bedburg und Düren vom Feinde befreit waren, zog Jan von Werth mit seinem Armeecorps Richtung Süden, da hier die französische Armee mit den Weimarern einen Rheinübergang wagten und nach Bayern vorstoßen wollten.

Am 24. November 1643 überfielen bayerische und kaiserliche Truppen (ergänzt unter anderem durch lothringische und spanische Einheiten) unter Franz von Mercy, Melchior Graf von Hatzfeldt, Johann von Werth und Herzog Karl IV. von Lothringen die französische Armee, die in der Umgebung von Tuttlingen im Winterquartier lag. Dieser Überfall entsprach nun nicht der damaligen Gepflogenheit im Winter keine Kampfhandlungen zu tätigen. Doch Jan von Werth hielt sich nicht an solche Regeln, was seine berüchtigten Nachtüberfälle mit seinen schnellen Reitern bewiesen. Bei Tuttlingen hatten die Franzosen in der Burgruine auf dem Honberg und in der Stadt ihr Hauptquartier etabliert, auf dem dazwischenliegenden Friedhof wurde die Artillerie mit den Kanonen gelagert. Ein grober Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Starker Schneefall ermöglichte ein fast lautloses Vorgehen einer Vorhut am Morgen unter von Werth, 1000 Reitern von Johann von Sporck, einem Dragonerregiment unter Oberst Wolf  und 600 Musketiere unter Oberst Gold, sowie einer Hundertschaft Kroaten unter dem damaligen Oberst und späteren General Georg von Truckmüller, weshalb die Franzosen dieser Überfall völlig unvorbereitet traf und eine geordnete Verteidigung nicht möglich war. Die erbeuteten Geschütze wurden umgedreht und gegen die Franzosen in der Stadt und dem Honberg benutzt. Während der französischen Reiterei zum größten Teil die Flucht gelang, schaffte es der Rest des französischen Heeres nicht, sich vom Feind abzusetzen. Der Honberg wurde ohne alliierte Verluste genommen, da dem Gegner seine Kanonen fehlten und er zudem völlig demoralisiert war.

Am folgenden Tag mussten sich die noch verbliebenen Truppen mit ca. 7000 Mann, darunter der französische Oberbefehlshaber Josias Rantzau, sowie sieben seiner Generäle, ergeben. Des Weiteren wurden aufgezählt:

„2 Halbe Carthaunen, 2 darzu gehörige Lauetten. 1 Singerin. 2 Schlangen. 4 Kurtze Falconen in jhren Lauetten. 1 Pöller mit seinen Lauetten. 32 MunitionWägen. 20 KugelWägen. 13 Karrn.“

Nach der Schlacht bei Tuttlingen war die Lage für die französische Armee in Württemberg nicht mehr zu halten und der Feldzug nach Bayern daher nicht mehr durchführbar. Da der Rückzug über den Rhein noch im Winter stattfinden musste, ging der Großteil an Soldaten und Material durch Hunger, Kälte und Fahnenflucht verloren.

Nach der Einnahme von Göppingen am 31. März 1644 wurde Johann von Werth zum General der Kavallerie befördert. Im Mai 1644 erstach er nach einem Trinkgelage in Köln den Grafen von Merode, der ihn herausgefordert hatte. Das blieb für Werth aber ohne weitere Folgen.

Am 27. Juli 1644 befreite er zusammen mit Franz von Mercy Freiburg im Breisgau von der schwedischen Besatzung und schlug anschließend am 3. und 5. August die Schlacht bei Freiburg im Breisgau gegen die Franzosen unter Herzog Enghien (der spätere Ludwig II. von Bourbon, Prinz von Condé) und Marschall Turenne.

Am 6. März 1645 nahm er an der Schlacht bei Jankau teil und siegte zusammen mit Mercy am 5. Mai bei Herbsthausen (beim heutigen Bad Mergentheim).

3. August 1645 verloren allerdings die kaiserlich-bayerischen Truppen unter von Mercy, von Werth und von Geleen die Schlacht von Alerheim gegen die französisch-weimarisch-hessischen Truppen unter Enghien, Turenne und Gramont. Obwohl Jan von Werth mit seinen Reiter immer wieder angriff, siegten am Ende doch die Feinde. Der hervorragende bayerische Befehlshaber, Freiherr Franz von Mercy fiel bei dieser Schlacht durch einen Kopfschuss. Obwohl diese Schlacht von den französisch-weimarisch-hessischen Truppen gewonnen wurde, gelang es ihnen nicht weiter nach Bayern hinein zu stoßen.

Als im Mai 1647 in Ulm ein Waffenstillstand zwischen Bayern, Schweden und Frankreich geschlossen wurde und der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit Kardinal Mazarin und dem französischen König zu verhandeln suchte, fiel der katholisch ausgerichtete und sowohl der bayerische als auch kaiserliche Sache verschworene General von Werth in einen schweren Gewissenskonflikt. Er zweifelte an den Friedensbemühungen des bayerischen Kurfürsten und fühlte sich letztlich dem Kaiser mehr verpflichtet als dem in seinen Augen abtrünnigen bayerischen Kurfürsten. Um seiner Überzeugung treu zu bleiben, wollte er seine Truppen dem Kaiser zuführen, woraufhin ihn Kurfürst Maximilian für vogelfrei erklärte und auf seinen Kopf einen Preis von 10.000 Talern aussetzte. Auch wurde er als Feldherr abgesetzt, seine Schlösser wurden geplündert und verbrannt. Mit Jan von Werth gingen tatsächlich nur sein Kollege Johann von Sporck (1601-79), einige Offiziere und wenige Truppen zur kaiserlichen Armee über.

Da Kaiser Ferdinand III. aber auf die Armee des bayerischen Kurfürsten angewiesen war, konnte er zunächst nicht zugunsten von Jan von Werth eingreifen. Allerdings lieferte er ihn und seine Offiziere nicht an den bayerischen Kurfürsten aus, sondern versetzte sie in den absoluten „Ruhestand“. Erst als die militärische Lage für die kaiserlich/bayerische Armee problematisch wurde, holte man Jan von Werth. Nach seinen Erfolgen begab er sich nach Wien und wurde dort vom Kaiser, der die bayerische Acht für nichtig erklärte, in den Reichsgrafenstand erhoben. Für seine durch den Übergang in kaiserliche Dienste verlorenen Güter wurde er vom Kaiser mit der Herrschaft Benatek in Böhmen (heute Benátky) entschädigt.

Einmal noch zog der durch die Strapazen der Feldzüge und seine vielen empfangenen Verwundungen (unter anderem eine Pistolenkugel in den Hals) gesundheitlich angegriffene Reitergeneral gegen die Schweden zu Felde und besiegte den schwedischen General Karl Gustav Graf von Wrangel (1613-1676) in der Schlacht bei Dachau am 4. Oktober 1648.
Danach zog sich der dauernd kränkelnde Jan von Wert auf sein Schloss Benatek zurück. Hier verfasste er kurz vor seinem Tode ein Testament , zu dessen Unterzeichnung es aber nicht mehr gekommen ist.

Jan von Werth erfreute sich bei seinen Soldaten einer großen Popularität, da er immer unter ihnen weilte und, so gut er konnte, immer für seine Dragoner, Kürassiere und Musketiere sorgte.

Der langgediente, kriegsbewährte General, dem nicht nur die Fürsorge für seine Soldaten sondern auch eine möglichst schonende Behandlung der von Kriegswirren heimgesuchten Landbevölkerung stets am Herzen lagen, starb am 12. September 1652 im Alter von 61 Jahren. Wahrscheinlich starb er an einer Blutvergiftung durch eine ältere Verwundung.

Begraben ist Jan von Werth in der Gruft der Kirche „Maria Geburt“ in Neu-Benatek (Nové Benátky). Auf seiner letzten Ruhestätte ist auf einer schlichten Grabtafel aus Zinn vermerkt:

Johannes Liberbaro de Werth, Dominus in Benatek, Odenkirchen, Grumbach, Kellenberg, Erbach etc., „Bodenstein“,

In seiner Büttgener Heimatkirche erinnert an diesen großen Soldaten ein Denkmal, das Johann von Werth betend darstellt. Die Stadt Köln gedenkt Jan von Werth mittels eines repräsentativen, prächtigen Standbilds. In Köln wird auch seine Rüstung aufbewahrt.

Jan von Werth war dreimal verheiratet, mit Gertrud von Genth zu Cönen, mit der Gräfin Isabella von Spaur (1637) und mit der Gräfin Susanna von Kufstein (1646). Aus der ersten und zweiten Ehe entsprangen drei Söhne, die jedoch alle in jungen Jahren vor dem Tod des Vaters verstarben, sowie die Tochter Lambertine Irmgardis. Zum Zeitpunkt von Werths Tod war seine dritte Gemahlin, Susanna von Kufstein, hochschwanger. Da Susanna von Kufstein als untreu galt, hatte von Werth in seinem vorbereiteten, aber nicht mehr unterschriebenen Testament geplant, den Sohn seiner Tochter Lambertina mit Freiherrn Winand Raitz von Frentz, Johann Wilhelm, zu adoptieren, so dass diesem anstelle eines möglicherweise nicht von ihm gezeugten Sohnes mit Susanna das Erbe zufallen sollte. Da das Testament nicht mehr zur Unterschrift gekommen war, entbrannten zwischen Susanna und Lambertine langwierige Erbstreitigkeiten. Durch einen Vergleich von 1655 kamen Werths rheinische Güter an Tochter Lambertine, während Benatek an die Witwe Susanna und den Ende 1652 geborenen Sohn Franz Ferdinand kamen. Nach dessen frühen Tod 1671 erbte Lambertine ein Fünftel der Herrschaft Benatek, das ihr Mann im Jahr 1682 an die inzwischen in dritter Ehe verheiratete Witwe Susanne rückveräußerte. Alle Nachfahren Johann von Werths stammen von der Tochter Lambertine und den Überlebenden unter ihren 16 Kindern ab. Der überlebende Bruder Gerhard von Werth hatte 2 Söhne, wovon einer, Johann von Werth (wie sein berühmter Onkel) auch wieder die Soldatenlaufbahn einschlug.

Vom Bauernsohn zum General und Grafen. Der niederrheinische Bauernsohn Johann von Werth ist nach Herkunft, Werdegang und Leistung eine auch heute noch bemerkenswerte Persönlichkeit, obwohl er inzwischen schon 362 Jahre tot ist.

  (1)   Über den Geburtsort Johann von Werths besteht keine Einigkeit. Außer Büttgen beanspruchen noch die Gemeinden Linnich, Kleinenbroich und Puffendorf, der Geburtsort von Johann von Werth zu sein. In der Mehrheit der Quellen wird von Büttgen als dem Geburtsort ausgegangen zumal Büttgen auch in seinem Testament genannt wird.

Franz von Mercy

voller Name: Franz Freiherr von Mercy, Herr zu Mandre und Collenberg 

(Geb. 1597– gefallen 1645)

Kaiserlicher Kriegsrat, kurbayerischer Kriegsrat, Generalfeldmarschall, Kämmerer und Statthalter zu Ingolstadt, und ab 1643 Oberbefehlshaber der kaiserlich-bayerischen Armee

Franz von Mercy, Künstler unbekannt, Sammlung Luca Cristini

Franz von Mercy wurde um etwa 1597 in Longwy geboren. Über die Herkunft seiner Eltern ist nichts bekannt. Die Familie entstammte einem lothringischen Adelsgeschlecht und bereits sehr jung trat er in den Militärdienst ein. Durch seine Tapferkeit im Kampf gegen die Türken konnte er schon bald die Offizierslaufbahn einschlagen. Ab 1631 diente er bei Octavio Piccolomini unter kaiserlicher Fahne.

1633 wurde von Mercy zum Obrist befördert. Zwischenzeitlich geriet von Mercy bei Breisach in französische Gefangenschaft und wurde aber nach kurzer Haft ausgetauscht. Ab 1635 Generalwachtmeister, trat er 1638 als Generalfeldzeugmeister in bayerische Dienste und befehligte ab 1641 ein bayerisches Korps in der Pfalz.

1642 vertrieb Mercy die Schweden aus Regensburg. Das französische/weimarische Korps unter General Rantzau wurde von Mercy Truppen beim Überfall von Tuttlingen vernichtet (siehe Regiment Wolf). Nach diesem Erfolg wurde von Mercy zum Feldmarschall ernannt und er erhielt den Oberbefehl über die bayerisch/kaiserliche Armee. Im Mai 1644 erfolgte die Belagerung von Überlingen und bei der Schlacht bei Freiburg im Breisgau am 3., 5. und 7. August 1644 gegen die französisch-weimarische Armee unter dem Prinz Condè konnte von Mercy ein unentschieden herausschlagen.

In der Schlacht bei Herbsthausen am 5. Mai 1645 besiegte Franz von Mercy die Franzosen unter Turenne. Sein Ende fand Franz von Mercy am 03. August 1645 bei der Schlacht von Alerheim, als ihn eine feindliche Musketenkugel traf.

Sein Leichnam wurde auf einem Wagen nach Ingolstadt gebracht, wo er überschwänglich empfangen wurde. Dies zeigte, dass er als Statthalter und Festungskommandant von Ingolstadt hoch angesehen und sehr beliebt war.

Auf Anordnung Kurfürst Maximilians wurde Mercy am 4. September 1645 in der Moritzkirche zu Ingolstadt beigesetzt. Der Eintrag im Sterberegister in lateinischer Sprache lautet:

„4. Septembris 1645 In parochiali ecclesia nostra Mauritiana cum solemni pompa funebri Sepultus est Perrilustris ac Generosus Dominus Franciscus L. B. de Mercy, Dominus in Mandre et Collenburg, Generalis campi Mareschalcus et Ingolstadianae urbis Praefectus, qui tertio die Augusti in proelio gloriosus miles occubuit.“

„4. September 1645 In unserer Moritz-Pfarrkirche wurde mit einer feierlichen Leichenprozession der hochberühmte und edle Herr Franz Freiherr von Mercy, Herr zu Mandre und Collenberg, Generalfeldmarschall und Statthalter von Ingolstadt bestattet, der am 3. August in der Schlacht als ruhmvoller Offizier gefallen ist.“

An der Stelle seines Todes in Alerheim wurde ein Stein mit der Inschrift STA VIATOR HEROEM CALCAS (Stehe Wanderer, du besuchst einen Helden!) errichtet, angeblich auf Veranlassung von Condé.

Franz Freiherr von Mercy war arm gestorben. Er hatte sich nicht wie so viele andere Heerführer bereichert. Von seinen Zeitgenossen wird er als der uneigennützigste General des ganzen Dreißigjährigen Krieges bezeichnet. Seine Witwe war mit ihren fünf Kindern nahezu mittellos. Der bayerische Kurfürst, der über Mercys Tod erschüttert war, wies der Witwe als Wohnsitz die Stadt und als Unterhalt die gesamten Einkünfte der Statthalterei Ingolstadt an.

Militärische Betrachtung

Seine strategischen und taktischen Fähigkeiten verblüfften seine Gegner oft so sehr, dass sie ihm einen sechsten Sinn nachsagten. Französische Generäle sagten von ihm, er handle so, als hätte er heimlich ihrem Kriegsrat beigewohnt.

Bereits 1631 kämpfte er als Obristwachtmeister bei Breitenfeld unter Tilly gegen die vereinigten Heere der Schweden und Sachsen unter Gustav Adolf.

1634 ist er auf dem südwestdeutschen Kriegsschauplätzen zu finden.

In den Jahren 1640/41 drängt er Baner nach Böhmen ab.

1643 und 1645 gelingen ihm zwei glänzende Siege bei Tuttlingen beziehungsweise Herbsthausen gegen die Franzosen.

Der besondere strategische Wert dieser Siege muss an der politischen und militärischen Situation gemessen werden, die nach der Niederlage des spanischen Heeres in der Schlacht von Rocroy gegen französische Truppen am 23. Juni 1643 und die Monate danach entstanden war.

Das kaiserliche Heer, das nach der zweiten Schlacht von Breitenfeld 1642 von Piccolomini durch strengen Drill wieder in gute Verfassung gebracht worden war, verlor nach Rocroy seine militärische Qualität und vor allen Dingen auch seinen besten Heerführer Piccolomini selbst, denn Piccolominis Dienste wurden von Spanien in den Niederlanden gebraucht.

Ohne seinen erfahrensten Heerführer blieb dem Kaiser nichts anderes übrig, als dem aus französischer Gefangenschaft zurückgekehrten Reitergeneral Werth den Oberbefehl über die Reiterei zu übertragen und ihm Franz von Mercy zu unterstellen, der zu dieser Zeit die bayrischen Truppen befehligte.

Was als Lösung aus einer militärischen Notlage entstand, entpuppte sich bald als großer Wurf.

Werths taktische Begabung und Findigkeit ergänzten Mercy’s strategisches Konzept in idealer Weise.

Bald wurde Mercy zur Hauptfigur auf kaiserlicher Seite.

Als im Herbst 1643 die Franzosen unter dem Oberbefehl Guébriants vom Elsass kommend über den Schwarzwald vordrangen, in Württemberg einfielen und Rottweil einnahmen, schienen die Pläne Mazarins, des Nachfolger Richelieu’s, aufzugehen, nämlich die Verhandlungsposition des Kaisers bei den anstehenden Verhandlungen in Münster zu schwächen.

Mercy und Werth gelang es aber, die französischen Truppen – die durch ihre Siege offenbar zu leichtsinnig geworden waren – in ihren verstreut liegenden Quartieren bei Tuttlingen zu überraschen und ihnen schwere Verluste bei Tross und Mannschaft beizubringen.

Dass es Mercy auch noch gelang, Rottweil von der französischen Besatzung zu befreien, war für die kaiserliche Seite ein willkommener Propagandagewinn.

Diese Siege ließen den Kaiser hoffen, auf dem am 4. Dezember eröffneten Kongress in Münster sein Ansehen und seine Autorität, die er nach der Niederlage des spanischen Heeres in der Schlacht von Rocroy eingebüßt hatte, wieder aufwerten zu können.

Abgesehen von den propagandistischen Vorteilen, die der Kaiser aus den Siegen Mercy’s und Werth zog, war es vor allen Maximilian von Bayern, in dessen Sold diese beiden Feldherren standen, der sich durch deren militärische Erfolge zum unverzichtbaren Bundesgenossen Ferdinands machte.

Die bayrischen Truppen waren in dieser Zeit das militärische Bollwerk des Reiches und hatten strategische Aufgaben, denn solange Mercy Württemberg verteidigte, konnte eine Vereinigung der beiden Heere Torstenssons und Turennes verhindert werden.

Natürlich nutzte Maximilian seine militärische Sonderstellung zu politischen Forderungen an den Kaiser aus. Das ging soweit, dass er Ferdinand drohte, bei Ablehnung seiner Forderungen werde er einen Sonderfrieden mit Frankreich schließen, Mercy zurückziehen und damit Turenne das Einfallstor ins Reich öffnen.

Die strategische Bedeutung und der militärische Wert der den beiden Feldherren Mercy und Werth zukam, wurde besonders im Jahre 1644 deutlich. In diesem Jahr belagerten und eroberten sie Überlingen und Freiburg.

Die Schlachten zwischen dem französischem Heer und dem bayrischen Heer unter Mercy in Württemberg wurden für damalige Verhältnisse unverhältnismäßig hart und lang andauernd geführt. In französischen Quellen wird die dreitägige Schlacht um Freiburg und der von den Franzosen gezeigte Mut hoch gelobt. Das soll unbestritten sein, aber die hohen Verluste des französischen Heeres brachten für die französische Seite keinen strategischen Vorteil. Frankreich konnte nichts an der Tatsache ändern, dass Mercy seine militärische Stellung in Württemberg behauptete.

Aufgrund seiner militärischen Verdienste wurde Mercy zum Feldmarschall im bayrischen Heer ernannt.

Mercy fiel 1645 durch Kopfschuss im Häuserkampf in der Schlacht von Alerheim. Damals kämpften kaiserliche Truppen unter Mercy gegen ein französisch-hessisches Heer. Sein Tod war nicht nur ein nicht zu ersetzender Verlust für das bayrische Heer. Mit ihm fiel ein vielseitig interessierte Mensch, denn Mercy war auch Mitglied in der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, einer Gesellschaft von Literaten, die sich der Pflege der deutschen Sprache verschrieben hatten.

Am Ende des dreißigjährigen Krieges mit seinen geistigen und moralischen Verwerfungen, insbesondere der militärischen Führungseliten, stellen seine Interessen eine rühmliche Ausnahme dar.

Seine Gegner über ihn

Mercy zeichnete sich durch die Raschheit seiner Entschlüsse und durch seine Ruhe aus. Sein Zeitgenosse und Gegner auf dem Schlachtfeld, Marschall Gramont, schreibt in seinen Memoiren:

„Aber Mercy, der die Affäre von Heilbronn so gut gelöst hatte, besaß nicht weniger Scharfblick auch die von Schwäbisch Hall vorherzusehen. Mit größtmöglicher Eile war er vor uns da, und deckte diesen Ort. Dies veranlasst mich von einer ganz und gar einmaligen Sache zu sprechen und von der Überlegenheit dieses Generals. Während der ganzen Dauer der zwei langen Feldzüge, die der Herzog von Anguien, der Marschall von Gramont und der Marschall von Turenne gegen ihn führten, haben sie nie etwas in ihrem Kriegsrat beschlossen, das zum Vorteil für die Waffen des Königs und in der Konsequenz schädlich für die des Kaisers sein konnte, die Mercy nicht erraten und selbst vorhergesehen hätte, als sei er mit ihnen der Vierte im Kriegsrat gewesen oder als hätten sie ihm über ihre Absicht eine vertrauliche Mitteilung gemacht. Es muss zugegeben werden, dass die Quelle, aus der solche Generale kommen seit langer Zeit versiegt ist und diejenigen, die ich im Krieg gekannt habe, hatten einen weniger ausgeprägten Scharfblick und eine begrenztere Intelligenz.“

Prinz Condé äußerte sich wie folgt:

„In den zwei Feldzügen (1644 und 1645), in denen ich gegen Mercy gefochten, hat dieser nicht einen Schritt getan, der nicht das Gepräge der höchsten Fähigkeit an sich getragen hätte. Er hat meine Entwürfe stets so genau vorausgewusst, als wäre er ein Mitglied meines Kriegsrats gewesen.“

Mit hervorragendem Blick verstand er es, jedes Gelände zu seinem Vorteil zu nutzen, was sich besonders augenfällig bei den Stellungen von Dürrwangen und Alerheim zeigt, und die Massen wirksam zu verteilen. Er hielt sich nicht starr an die bisher übliche Taktik, sondern verbesserte den Waffendienst nach den neuesten Grundsätzen seiner Zeit. Das Fußvolk teilte er in Bataillone, um es beweglicher zu machen. Mercy verminderte die Anzahl der Pikeniere und stellte die Schwadronen nur mehr drei Glieder tief. Die Artillerie machte er beweglicher und begann die Waffengattungen zu gegenseitiger Unterstützung zu verbinden. Er wich ab von der bisher üblichen Schlachtordnung, bei der das Zentrum nur aus Fußvolk und die Flügel aus Reiterei bestanden. Das jeweilige Gelände war für die Schlachtordnung, die er wählte, entscheidend. Seine Operationen hatten eine einheitliche Linie und halten auch neueren kritischen Beurteilungen stand. Bei alledem war er ein gläubiger Christ, der für seine Soldaten sorgte. Besonders die Verpflegung überwachte er persönlich und stellte gelegentliche Mängel schnellstmöglich ab.