Festungsbau und Feldbefestigungen im 17. Jahrhundert

Durch das Aufkommen des Schießpulvers im 14. Jahrhundert änderte sich auch die Festungsbauweise maßgeblich. Die bekannten Burganlagen aus dem Mittelalter konnten den Pulvergeschützen nicht mehr standhalten und so wurden die Befestigungen angepasst. Festungen oder feste Plätze (dies können auch befestigte Städte sein), wie sie im 17. Jahrhundert genannt wurden, sind individuell gebaut worden. Maßgeblich war der zu schützende Bereich und die Geländebegebenheiten. Bei der Erstellung des Grundrisses musste die Schusslinie der zur Verfügung stehenden Feuerwaffen bedacht werden und es galt, “tote” Winkel zu vermeiden. Im 16. Jahrhundert wurde zum Festungsbau immer mehr die neuitalienische Manier bevorzugt. Hier kamen Bastionen mit zurück gezogenen Flanken zum Einsatz. Daraus ergab sich ein sternförmiger Grundriss. Als ideal wurde die geometrische Form des Fünfecks angesehen.
Grundriss der Stadt Saint-Martin-de-Re auf der Insel Ile de Re in Frankreich. Die Stadt wurde auf Order von Cardinal Richelieu in den 1620er Jahren auf Grund ihrer strateisch wichtigen Lage befestigt. Gut zu sehen sind die Festungswerke nach neuitalienischer Manier und die sternförmige Zitadelle rechts oben. Angreifbar wäre diese Stadt nur von See.
Grundriss der Festung Neubreisach (Neuf-Brisach/Elsaß), die in den Jahren von 1699 bis 1703 auf Anweisung von Sonnenkönig Ludwig XIV. als Muster einer barocken Reißbrettsiedlung erbaut wurde. Dieser Grundriss ist heute noch fast vollständig erhalten, genau wie das Festungsdorf Bourtange/NL.

Fachbegriffe

Redute: meist viereckige Schanze

Faschine: Reisig- oder Astbündel, das zur Hangsicherung benutzt wird. So können die Erdmassen nicht ab rutschen

Ravelin: selbstständige Schanze die vor einem Wall errichtet wurde

Kontereskarpe: die äußere Mauer oder Böschung des Festungsgrabens, von der dahinter verlaufenden Galerie kann das der Festungsgraben unter Feuer genommen werden.

Werk: ein Allgemeinbegriff für eine selbstständige, isolierte Befestigungsanlage. Dies ist oftmals der Teil einer größeren Festung. Unter dem Begriff Werk kann es sich um eine Bastion, eine Schanze, ein Ravelin oder ein Blockhaus handeln.

Querschnitt durch die Wallanlagen an einer zeitgenössischen Bauzeichnung der Befestigungen des Belagerungsringes der Festung Grolle (siehe unten). Die Bauweise ist die selbe wie die der Festung. Die englische Schanze wurde von einem Interessenverein komplett ausgegraben und wieder in den Originalzustand gebracht. Sie kann besichtigt werden.
Am Beispiel der Festung Grolle (Groenlo/NL) sieht man, dass die Darstellung in den Zeichnungen und Gemälden immer wieder variiert. Eindeutig ist jedoch der Baustil des 17. Jahrhundert bei allen Darstellungen klar zu erkennen. Auf diesem Bild sieht man, dass die Festung Grolle von einem befestigten Belagerungsring komplett umschlossen war. So unterband man die Versorgung der Eingeschlossenen.
Ein weiteres sehr gutes Beispiel für die Festungsbaukunst des 17. Jahrhunderts ist die Festung Bourtange in den Niederlanden. Dieser Plan zeigt die größte Ausbaustufe der Festungsstadt im Jahre 1742. Die Festungswerke wurden nach dem nahezu kompletten Zerfall in den letzten Jahrzenten wieder aufgebaut.
Die Festungsstadt Bourtange heute.
Am Beispiel der Festungsstadt Geertruidenberg/NL sieht man, dass oftmals der Grundriss dem Gelände angepasst werden musste. Geertruidenberg zählt zu den Niederländischen Festungsstädten. Hier finden regelmäßig Geschichtsevents statt.
Darstellung der Befestigungen der freien Reichsstadt Frankfurt am Main um 1587. Zu diesem Zeitpunkt noch ohne barocke Schanzanlagen
Frankfurter Stadtbefestigung nach der Modernisierung im Jahr 1631

In Deutschland sind auch einige noch gut erhaltene Festungen zu besichtigen. Als Beispiele seien hier die Festung Rosenberg in Kronach, die Wülzburg bei Weißenburg, die Plassenburg bei Kulmbach oder die Marienfeste in Würzburg genannt.


Feldbefestigungen

Unter Feldbefestigungen oder Schanzbaulehre versteht man das Einrichten des Geländes für Gefechtszwecke. Im Dreißigjährigen Krieg hatten Feldbefestigungen einen höheren Stellenwert als heute. Zumeist wurden Feldbefestigungen mit einfachen Mitteln hergestellt. Aber manchmal, je nach Lage auch dauerhaft.

Zu den Feldbefestigungen des Dreißigjährigen Krieges gehören unter andrem:

    Schanzen, Laufgräben, Jägergräben, Geschützbänke, Schießscharten, Munitionsmagazine, Geschützbettungen, Verhaue

Hilfsmittel für Feldbefestigungen sind:

    Pfähle, Eggen, Nagelbretter, Fußangeln, Wolfsgruben, Minen, Grabenhindernisse, Spanische Reiter

Ansichten von Festungsanlagen, Andreas Cellarius, 1645
Ansichten von Festungsanlagen, Andreas Cellarius, 1645