Bekleidung
Kleider machen Leute. Das gilt auch für unsere Darstellung. Kein anderer Gegenstand wird so beansprucht und ständig benutzt wie die Kleidung, die wir am Leib tragen. Auch ist die Bekleidung, das was uns in erster Linie vom “modernen Menschen” unterscheidet und einem Außenstehenden sofort ins Auge fällt. Wir versuchen aus diesen Gründen ein besonders Augenmerk auf die Bekleidung unserer Mitglieder zu legen, die Funktion und Konstruktion dieser zu verstehen und sie selbst anzufertigen.
 

Hose
Auch einer unsere Corporale braucht mal neues Beinkleid, sodass die Regimentsschneider diese neue Hose basierend auf einem Schnittmuster von Anduxar aus dem Jahr 1640 für ihn anfertigte. Die Hose ist aus beigefarbenem Wollstoff von Hand genäht und mit einem leichten Leinen gefüttert. Um das Knie herum wurde der Schnitt leicht angepasst, sodass die Hose weiter aufsteht. Durch einen  Tunnelzug kann sie jedoch bei kaltem Wetter um das Knie zusammengezogen werden. Die seitlich eingesetzten Hosentaschen sind praktisches Detail. Die aufgenähten Zierstreifen machen dieses Stück richtig “alla moda” und basieren auf einer Zeichnung eines Dillenburger Musketenschützen, welche sich in der königlichen Bibliothek in Den Haag befindet.
 

Lederhandschuhe
Nachdem wir mit unserem Probeexemplar Stulpenhandschuhe durchaus zufrieden sind, fertigten wir ein weiteres, ähnliches Paar an. Wie bei unserem ersten Versuch sind die Handschuhe aus sämischem Ziegenleder, die Stulpen aus dickerem Hirschleder, angefertigt und von Hand mit einem einfachen “Schlingstich” genäht.
 
 

Strickkappe
Unsere Replik einer “Italienischen Haube” entstammt einem Stück aus der Kirche von “San Domenico Maggiore” und wird auf 1549 datiert. Ähnlich einer modernen Kappe besitzt das Stück, das aus Wollgarn gestrickt wurde, ein eingenähtes Innenfutter aus Leinenstoff. Strickanleitung und Design entstammen Mathew Gnagys Werk “Knitting with the Modern Maker Vol. 1”.
 
 
 

Stulpenhandschuhe
Nach etlichen Versuchen konnten wir endlich ein perfekt sitzendes Paar lederne Handschuhe anfertigen. Die Handschuhe sind aus sämisch gegerbtem Ziegenleder von Hand genäht. Um ausreichend Schutz vor Schlag und Hieb zu bieten, sind sie Stulpen der Handschuhe wiederum aus 3-4mm starkem, sämischem Hirschleder hergestellt und mit einem einfachen Schuppenmuster verziert.
 
 
 

Hemd
Vorlage für diese Hemd war ein erhaltenes Original aus England, das in Stuart Peacheys Werk “Common Soldier’s Clothing of the Civil Wars 1639-1646” beschrieben wird. Das Hemd ist komplett von Hand genäht und wird an Armen und dem Halsausschnitt über Schnüre verschlossen. 
 
 

Lederkoller
Dieser Infanteriekoller aus 4-6mm starkem, ölgegerbtem Hirschleder bietet ausreichend Schutz vor Schlag und Hieb im Felde. Gefüttert ist er mit mehreren Lagen Leinwand und Filz, die als zusätzliche Polsterung dienen. Die großen, für den Koller charakteristischen Schöße bieten zudem Schutz an den Oberschenkeln und der Hüfte. Vernäht ist das Leder des Kollers mit einem besonderen Sattlerstich, dem sog. “buttstitch”, bei dem die Lederkanten beweglich aneinander sitzen. Verschlossen wird der Koller, nicht wie der erste Eindruck scheinen lässt, mittels des Bandes, sondern mit Haken und Ösen. 
 
 
 

Mantel
Ein einfacher Mantel aus dichtem Wollstoff. Der angesetzte Kragen schützt den Hals vor Kälte und Nässe. Diagonal gefaltet und über den Schultern getragen, bietet der Mantel noch mehr Schutz und erlaubt mehr Bewegungsfreiheit. Um den natürlichen Schutz des Wollstoffes zu verbessern, wurde der Mantel auf authentische Art und Weise mit Wollfett (Lanolin) behandelt, sodass er nahezu wasserdicht ist. 
 
 
 

Hose
Hier zeigen wir eine Hose, die ausnahmsweise nicht ihren Dienst in den Reihen unseres Regimentes antritt, sondern an einen befreundeten Reenactor geht. Die Hose wurde aus über 100 Jahre altem Bauernleinen von Hand genäht und nochmals mit feinerem Leinen gefüttert. Den Schnitt liefert das Schneiderbuch von Anduxar von 1640. Komplettiert wird die Hose durch unsere selbst hergestellten Kugelknöpfe.
 
 
 

Fouragebeutel
Um Hab und Gut sowie Rationen zu transportieren, nutzten die Soldaten des Frühbarocks einfache Beutel aus Leder, Leinen oder Baumwolltuch. Unsere Interpretationen dieser sog. Fouragebeutel aus Ziegenleder sind wie die Originale aus einer Art Schlauch konstruiert und auf einer Seite verschlossen. Schließen lassen sich die Beutel durch einfache Zugbänder. Um die Beutel über die Schulter tragen zu können, sind Lederriemen am Korpus angesetzt. Eine Schließe zum Verstellen der Trageweite ist praktisches Detail.
 
 
 

Soldiers coat
Als erste Form der Uniformierung kamen in den 1630er Jahren einheitliche Soldatenwämse auf, die durch den Regimentsinhaber gestellt wurden. Diese sind sehr einfach konstruiert und wurden über dem zivilen Doublet getragen. Unsere Rekonstruktion wurde aus dunkelrotem Wollstoff, anhand eines Schnittes aus Stuart Peacheys Werk “Common Soldier’s Clothing of the Civil Wars 1639-1646” angefertigt.
 
 

Leinenwams
Gut 100 Jahre altes, schwedisches Leinen nutzten wir für diesen von Hand genähten Wams. Das Futter fertigten wir aus Gründen des Tragekomforts aus feinerem Leinen an. Die Kugelknöpfe wurden aus Zinn in den Formen des Regiments gegossen.
 
 
 

Gamaschen
Wir sind auf Grund der Quellenlage grundsätzlich bei der Verwendung von Gamaschen vorsichtig. Es existieren nur wenige Darstellungen, bei denen man erkennen kann, ob Gamaschen abgebildet, geschweige denn, wie diese konstruiert sind. Neben (hauptsächlich englischen) Textquellen, bei denen lederne Gamaschen als günstiger Reitstiefelersatz beschrieben werden, kennen wir bis dato nur eine Darstellung eines Handwerkers, der grobe Stoffgamaschen zum Schutz seiner Unterstrümpfe trägt. Diese Darstellung bildete die Grundlage unserer Rekonstruktion. 
 
 
 

Gussformen
Die Suche nach Knöpfen für die Anfertigung unserer Kleidungsstücke stellt für uns immer ein Problem dar. Aus diesem Grund fertigten wir Gussformen für vier Arten von Knöpfen aus Speckstein an. In die dreiteiligen Formen wird geschmolzenes Zinn eingegossen und wenige Sekunden aushärten lassen. Nach dem Auskühlen und Entfernen des Angusses sind die Knöpfe Einsatzbereit. Eine Gussform für unser Regimentsabzeichen wurde gleich mit angefertigt.
 
 
 

Genähte Strümpfe
Vor allem genähte Strümpfe aus Leinenstoff hinterlassen bei uns als Reenactors immer viele Fragezeichen. Das größte Problem bei der Rekonstruktion solcher Strümpfe ist immer wieder, wie man eine enge Passform, trotz des wenig dehnbaren Leinenstoffes erreicht. Ein erhaltenes Original aus dem Victoria & Albert Museum in London, das wir bei einem Aufenthalt 2017 dort besichtigen konnten, löst dieses Problem durch eine Schnürung am Knöchel. Dort besitzt der Strumpf auf Grund der Beinform die dünnste Stelle und kann zum An- und Ausziehen des Strumpfes geöffnet werden. Unsere Rekonstruktion aus unbehandeltem grau-grünem Leinen wurde von Hand genäht. Wir entschieden uns auf Grund unserer Soldatendarstellung bewusst  für eine weniger feine Umsetzung wie beim Original, weshalb Nähte und Zugschnur rustikaler ausgefertigt sind. 
 
 

Kragen
Neues Weisszeug! Auch Offiziere brauchen mal neues Weisszeug, sodass wir diesen ansetzbaren Fallbandkragen anfertigten. Verziert wird der Kragen durch Spitze, die nach einer Vorlage von 1600 in England angefertigt wurde. Durch vier Bänder, anderen Enden sich die charakteristischen Bommeln befinden, wird der Kragen verschlossen.
 
 
 

Wams
Ein einfacher Wams aus Wollstoff für einen Musketier unseres Regiments. Die, verglichen zu den frühen Kriegsjahren, weite Passform sowie die großen, wenigen Schöße sind charakteristisch für einfache Soldatentracht der 1640er Jahre. Genäht wurde der Wams von Hand. Knöpfe aus den Formen des Regiments sowie ein Nestelband am Abschluss der Knopfleiste komplettieren die Jacke.