Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf e.V.

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Bewaffnung Musketiere

Die Hauptwaffe des Musketiers ist die Luntenschloßmuskete, seltener die Schnapphahnmuskete oder die Radschlossmuskete. Die leichtere Version der Muskete nennt man Arkebuse.

Alle gezeigten Waffen und Ausrüstungsgegenstände sind Eigentum der Mitglieder dieser Gruppe. Verschiedene Teile wurden nach zeitgenössischer Vorlage selber angefertigt.

Grundausstattung eines Musketieres/Dragoners

 Hier ist die Grundausstattung eines Musketier zu sehen. Sie besteht aus der Muskete, mit Fourget(Gabel zum Auflegen beim Schießen), dem Bandelier mit Pulverladungen, Lunte und Kugel, dem Feldrapier und dem Hut. Dragoner benutzten in der Regel leichtere Musketen und keine Gabel.

 

Muskete:

Zu Beginn des 30 jährigen Krieges war eine Muskete etwa 7,5 kg schwer, dann später nur noch etwa 5 kg und etwa 125 bis 145cm lang.

Kaliber bis 20mm, glatter Lauf (kein Zug-Feldprofil. Geschwindigkeit(bei durchschnittlicher Pulverqualität) etwa 300m/s  an der Mündung. Maximale Reichweite etwa 350 bis 400m. Auf 75m sollte noch jede 2. Kugel ihr Ziel treffen. Auf größere Distanz sank die Durchschlagskraft und nur noch 5 bis 7% aller Schüsse verletzten den Gegner ernsthaft. Aus 40m geschossen, durchschlägt eine Musketenkugel einen 1,5 bis 2mm starken Brustpanzer komplett. Aus 100m durchschlägt eine Musketenkugel immerhin noch die Frontpanzerung eines Brustpanzers. Die Kugel bleibt im Leib stecken.

Die Ladedauer für einen Schuß beträgt bei mittelerem  Ausgebildungsstand eines Musketiers etwa 1 Minute. 

Die Muskete wird üblicherweise zum Schießen auf eine Stützgabel(Forquette) aufgelegt.

Lunten bestanden aus gedrehten oder geflochtenen Hanf- oder Flachsschnüren, die in einer Lauge aus Holzasche, Kalk, Salpeter und Rinderdung getränkt waren. Sie waren weithin zu riechen, woher der Spruch: „Lunte gerochen“  kam.  

 

Radschlosspistole

Das Radschloss oder Deutsche Schloss wurde bereits Anfang des 16. Jahrhundert erfunden. Die Radschlosspistole wird bevorzugt von Offizieren und Berittenen benutzt. Die Zündung der Radschlosspistole ermöglicht ein Schießen auch vom Pferd und benötigt keine brennende Lunte.                               

Funktionsprinzip:                                                                                                         
1. Ein Metallrad  mit Querrillen wird mit einem Schlüßel gegen eine Feder gespannt 
2. In den Hahn wird ein Stück Schwefelkies gespannt und auf das Rad gedrückt.  
3. Zündkraut wird auf die Pfanne gegeben.
4. Bei Betätigung des Abzuges reibt das sich drehende geriffelte Metallrad am Schwefelkies, reißt Funken und entzündet das Zündkraut.
5. Das Zündkraut brennt durch das Zündloch in den Lauf und bringt die dortige Treibladung zur Explosion. 

Radschlosspistolen gab es in verschiedenen Formen und Größen. Rechts sehen Sie zwei kurze Radschlosspistolen (Offizierspistolen der Fußtruppen) aus dem Bestand der Einheit.

Radschlosspistolenpaar

sogenannter Lützener Typ (lange Reiterpistolen)

Radschlosskarabiner

Ebenfalls mit einem Radschloss ist der rechts zu sehende Karabiner ausgestattet. Größtenteils waren diese Waffen von Reitereinheiten benutzt. Begehrt waren sie aber auch bei Fußsoldaten. Aufgrund ihrer aufwendigen Fertigung waren Radschlosswaffen sehr teuer und damit nicht so verbreitet, wie die günstig herzustellende Luntenschloßmuskete.  

Sie sehen hier zwei Radschlosskarabiner und ein Radschlosspetronell aus dem Bestand der Gruppe.

Schnapphahnpistole. 

Das Schnappschloss(Miqueletschloss) gilt als Vorläufer des Steinschlosses und war einfacher und wetterunabhängiger als das Luntenschloss und das Radschloss. Erste Versionen gab es bereits im 16. Jahrhundert(im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befindet sich eine Schnapphahnpistole von 1580). Im 17. Jahrhundert wurde das Schnappschloss verbessert. Der gespannte Hahn mit einem Feuerstein schlägt beim Abziehen aus einem Eisenteil Funken. Diese Funken entzünden eine feine Pulvermenge(Zündkraut) auf der Pfanne. Diese kleine Explosion brennt durch das Zündloch in den Lauf und löst die Ladung aus. Nachfolger war das Steinschloss, dass sich ab 1704 bei fast allen Armeen durchsetzte und erst ab etwa 1810 durch das Perkussionsschloß ersetzt wurde.

 

Schlossarten

 

Im Kurbairischen Dragonerregiments Johann Wolf kommen verschiedene Blankwaffen, wie Rapier, Säbel, Pallasche und Felddegen zum Einsatz. Diese Vielfalt ist authentisch. Alle Blankwaffen sind ohne Spitze und ohne Schärfe und besitzen somit Schaukampfwaffenstatus. Um verschiedene von uns benutzte authentische Blankwaffen zu zeigen, haben wir eine Extraseite eingerichtet.

 

Blankwaffen

Aus den östlichen Länder kamen im Lauf des Krieges auch verschiedene Waffenarten in unsere Gegend. Hier sind zwei Reiterhämmer zu sehen.

 

Rechts sehen Sie ein Bandelier mit den Pulverbehältnissen, auch Apostel(oder 12 Apostel = dieser Begriff stammt aber nachweislich aus der Neuzeit) genannt. Jedes dieser Behältnisse enthält genau die benötigte Pulvermenge für einen Schuß. Zum Bandelier gehören der Kugelbeutel, der Zündkrautspender(oder Pulverin genannt) und der Luntenverberger (in ihm konnte man eine brennende Lunte sicher und auf längere Zeit befördern. Während des Marsches in Feindesland trug jeder zehnte Musketier eine brennende Lunte in einem solchen Luntenverberger). Zudem waren an dem Bandelier noch diverse Werkzeuge, wie eine Nadel zum Reinigen des Zündloches, ein Fläschchen mit Öl, eine kleine Metallbürste zum reinigen der Zündpfanne, etc. befestigt.

Patronenbüchse. Die Schweden führten die Papierpatrone ein. Die richtige Menge Schwarzpulver wurde in Papier gerollt, unten und oben verzwirbelt. So wurde das Papier der gerade aufkommenden ersten Zeitungen("gedrückt Werk" genannt) noch weiter verwendet und war immer begehrt. Durch die Papierpatrone konnte der Musketier mehr Pulverladungen mitnehmen. Das Bandelier verschwand langsam. Diese Papierpatronen wurden in Taschen, Stiefelschäften oder speziell für die Reiterei in solchen Patronenbüchsen aufbewahrt. Diese Patronenbüchsen  konnten einfach an den Gürtel gesteckt werden und gewährleisteten eine sichere und wetterunabhängige Aufbewahrung der Papierpatronen.

Zündkrautflaschen. Zum Teil nach historischem Vorbild selbstgefertigte Pulverflaschen für das feine Zündkraut

Pulverflaschen dienten zum Befüllen der Pulverbehältnisse am Bandelier oder zum Anfertigen von Papierpatronen.

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