Kurbairisches Dragonerregiment

 Johann Wolf e.V.

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Johann von Werth

"Johann von Werth der Römischen Kaiserl. Majestät Kriegsrath, General über dero Kavallerie und bestellter Obrister zu Ross"

 Neben dem Grafen von Pappenheim war der im niederrheinischen Dorf Büttgen(1) im Kurfürstentum Köln als Bauerssohn geborene Johann von Werth wohl einer der bekanntesten Reitergenerale des 30 jährigen Krieges. 1591 als eines von neun Kindern in ärmlichen Verhältnissen geboren, musste er schon früh in der Landwirtschaft helfen. In einer Überlieferung der ursprünglich in Friesland beheimateten Familie heißt es, dass sie aus einem alten, ritterlichen Geschlecht stamme und aufgrund ihres katholischen Glaubens vertrieben worden sei.

Mit der Schreibweise nahm man es früher nicht so genau und so tauchen für diesen berühmten Reitergeneral verschiedene Namen auf. Werth, Wörth, Weert oder Werd sind einige Varianten des Nachnamen, Jan, Jean, Jois oder Johann solche für den Vornamen. Sein Testament unterschrieb der eigentlich des Lesen und Schreiben nicht mächtige Jan von Werth mit. "Finis testamenti: D. Baronis Jois de Weerth"

Die Verhältnisse der Familie verschlechterten sich nach dem Tod des Vaters 1606, so dass die Mutter mit den Kindern in ein kleineres Haus umziehen musste. Jan musste mit Arbeiten auf fremden Höfen Geld verdienen.

Im Jahre 1610 trat Jan von Werth im Alter von 19 Jahren in das spanische Heer des Generals Ambrosio Spinola, Marqués de los Balbases, (1569 – 1630) als gemeiner Soldat bei den wallonischen Reitern ein. Im Lauf der Zeit diente er sich durch seine Tüchtigkeit und seine Tapferkeit zum Offizier hoch.

1620 nahm er an der Schlacht am Weißen Berg vor Prag teil. 1621 wechselte er in Kurkölnische Dienste und wurde bei der Belagerung von Jülich zum Rittmeister ernannt. Später kämpfte er in der Katholischen Liga unter Tilly. Er nahm an den Feldzügen in den Niederlanden, dem Elsass und Franken teil. Als Obristwachtmeister (Major) wird er 1631 im  bayerischen Regiment Eynatten aufgelistet. 1632 wurde er zum Obristen befördert und war nun Kommandant des Regimentes von Eynatten. Nach dem Sieg über ein schwedisches Korps bei Herrieden im Februar 1634 wurde Jan von Werth zum Generalwachtmeister befördert.

Auf dem Weg nach Nördlingen brandschatzten seine Truppen am 24. August das mittelfränkische Wassertrüdingen.

Mit seinen Reitern führte er die Entscheidung in der Schlacht von Nördlingen am 06.09.1634 herbei. In dieser Schlacht kämpfte ein spanisch-kaiserlich/bayerisches Heer unter dem Kardinalinfanten Ferdinand (1609-1641), einem Sohn König Philipps III. von Spanien, und General Matthias Graf Gallas (1584 bis 1647), gegen ein protestantisch-schwedischen Heer unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar (1604-1639) und General Gustav Horn (1592-1657). General Horn  geriet mit 6000 seiner Soldaten in Gefangenschaft, und weitere 12000 blieben verwundet oder tot auf dem Schlachtfeld.
Die Schweden mussten durch diese Niederlage einen großen Gebietsverlust in Süd- und Südwestdeutschland hinnehmen. Mit einer Erhebung in den Freiherrnstand durch Kaiser Ferdinand II. wurde Jan von Werth für seinen schlachtentscheidenden Einsatz belohnt. Der bayerische Kurfürst Maximilian I. (1573-1651)beförderte Jan von Werth zum Feldmarschallleutnant und Generalwachtmeister.
Am 27. Oktober 1635 wurde zwischen Bernhard von Sachsen-Weimar und den Franzosen ein Bündnisvertrag abgeschlossen, worin sich Bernhard von Sachsen-Weimar verpflichtete, gegen eine Zahlung von 4 Mill. Livres ein 18.000 Mann starkes Heer im Sold Frankreichs aufzustellen und ihm im Gegenzug die Anwartschaft auf die damals österreichische Landgrafschaft Elsass in Aussicht gestellt wird.

Jan von Werth griff nun die Franzosen direkt an und trug den Krieg nach Frankreich hinein. Während des Einfalles in die Picardie gelangte er an der Spitze der Vorhut des kaiserlich-bayerischen Heeres mit seinen Dragonern - das waren mit Musketen bewaffnete Reiter, also eine Art berittene Infanterie - bis vor die Tore von Paris. Hier erscheint auch der Name des Johann Wolf.

Verstärkt durch die Franzosen wurde das Heer Bernhards von Sachsen-Weimar sogleich an anderer Stelle aktiv. Es bemächtigte sich im Jahre 1637 der kurtrierischen Festung Hermannstein (später Ehrenbreitstein bei Koblenz). Jan von Werth rückte mit seinem Korps und verschiedenen Hilfstruppen heran und brachte nach kurzer Belagerung die Festung durch einen Handstreich wieder in deutschen Besitz.
Bei der Schlacht von Rheinfelden am 3. März 1638 wurde Jan von Werth von gegnerischen Truppen unter Bernhard von Weimar gefangengenommen  und nach kurzer Festsetzung an die Franzosen ausgeliefert. Man brachte ihn von der Festung Bendorf im Elsassnach Paris. Das hohe Ansehen des bayerischen Reitergenerals bei Kardinal Richelieu ermöglichte ihm eine sehr ehrenvolle Gefangenschaft. So durfte er auf Ehrenwort an vielen Gesellschaften teilnehmen und sich in der französischen Hauptstadt frei bewegen. Nach vier Jahren Gefangenschaft wurde Jan von Werth am 24. März 1642 gegen den schwedischen General Gustaf Horn ausgetauscht. Zudem wurde eine hohe Lösegeldsumme gezahlt.

Nach seiner Rückkehr engagierte ihn der Kölner Erzbischof und Kurfürst Ferdinand von Bayern, ein Bruder des bayerische Kurfürst Maximilian I., als Heerführer, um seine niederrheinische Heimat von der schwedisch/französischen Besatzung zu befreien.
Anfang August 1642 wurde er im Lager bei Zons vom Kölner Kurfürsten dem Heer als kaiserlicher und kurbayerischer Generalleutnant der Kavallerie vorgestellt. Die Reorganisation seiner Truppen nahm er sogleich in Angriff. So wurde neue Bewaffnung, Bekleidung und Verpflegung besorgt und die bisher sehr gelockerte Disziplin wieder hergestellt.
 

 

Nachdem im Niederrheinischen Grevenbroich, Mönchengladbach, Hülchrath, Neersen, Bedburg und Düren vom Feinde befreit waren, zog Jan von Werth mit seinem Armeecorps Richtung Süden, da hier die französische Armee mit den Weimarern einen Rheinübergang wagten und nach Bayern vorstoßen wollten.

Am 24. November 1643 überfielen bayerische und kaiserliche Truppen (ergänzt unter anderem durch lothringische und spanische Einheiten) unter Franz von Mercy, Melchior Graf von Hatzfeldt, Johann von Werth und Herzog Karl IV. von Lothringen die französische Armee, die in der Umgebung von Tuttlingen im Winterquartier lag. Dieser Überfall entsprach nun nicht der damaligen Gepflogenheit im Winter keine Kampfhandlungen zu tätigen. Doch Jan von Werth hielt sich nicht an solche Regeln, was seine berüchtigten Nachtüberfälle mit seinen schnellen Reitern bewiesen. Bei Tuttlingen hatten die Franzosen in der Burgruine auf dem Honberg und in der Stadt ihr Hauptquartier etabliert, auf dem dazwischenliegenden Friedhof wurde die Artillerie mit den Kanonen gelagert. Ein grober Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Starker Schneefall ermöglichte ein fast lautloses Vorgehen einer Vorhut am Morgen unter von Werth, 1000 Reitern von Johann von Sporck, einem Dragonerregiment unter Oberst Wolf  und 600 Musketiere unter Oberst Gold, sowie einer Hundertschaft Kroaten unter dem damaligen Oberst und späteren General Georg von Truckmüller, weshalb die Franzosen dieser Überfall völlig unvorbereitet traf und eine geordnete Verteidigung nicht möglich war. Die erbeuteten Geschütze wurden umgedreht und gegen die Franzosen in der Stadt und dem Honberg benutzt. Während der französischen Reiterei zum größten Teil die Flucht gelang, schaffte es der Rest des französischen Heeres nicht, sich vom Feind abzusetzen. Der Honberg wurde ohne alliierte Verluste genommen, da dem Gegner seine Kanonen fehlten und er zudem völlig demoralisiert war.

Am folgenden Tag mussten sich die noch verbliebenen Truppen mit ca. 7000 Mann, darunter der französische Oberbefehlshaber Josias Rantzau, sowie sieben seiner Generäle, ergeben. Des Weiteren wurden aufgezählt: „2 Halbe Carthaunen, 2 darzu gehörige Lauetten. 1 Singerin. 2 Schlangen. 4 Kurtze Falconen in jhren Lauetten. 1 Pöller mit seinen Lauetten. 32 MunitionWägen. 20 KugelWägen. 13 Karrn.“

Nach der Schlacht bei Tuttlingen war die Lage für die französische Armee in Württemberg nicht mehr zu halten und der Feldzug nach Bayern daher nicht mehr durchführbar. Da der Rückzug über den Rhein noch im Winter stattfinden musste, ging der Großteil an Soldaten und Material durch Hunger, Kälte und Fahnenflucht verloren.

 

Nach der Einnahme von  Göppingen am 31. März 1644 wurde Johann von Werth zum General der Kavallerie befördert. Im Mai 1644 erstach er nach einem Trinkgelage in Köln den Grafen von Merode, der ihn herausgefordert hatte. Das blieb für Werth aber ohne weitere Folgen.

Am 27. Juli 1644 befreite er zusammen mit Franz von Mercy Freiburg im Breisgau von der schwedischen Besatzung und schlug anschließend am 3. und 5. August die Schlacht bei Freiburg im Breisgau gegen die Franzosen unter Herzog Enghien (der spätere Ludwig II. von Bourbon, Prinz von Condé) und Marschall Turenne.

Am 6. März 1645 nahm er an der Schlacht bei Jankau teil und siegte zusammen mit Mercy am 5. Mai bei Herbsthausen (beim heutigen Bad Mergentheim).

3. August 1645 verloren allerdings die kaiserlich-bayerischen Truppen unter von Mercy, von Werth und von Geleen die Schlacht von Alerheim gegen die französisch-weimarisch-hessischen Truppen unter Enghien, Turenne und Gramont. Obwohl Jan von Werth mit seinen Reiter immer wieder angriff, siegten am Ende doch die Feinde. Der hervorragende bayerische Befehlshaber, Freiherr Franz von Mercy fiel bei dieser Schlacht durch einen Kopfschuss. Obwohl diese Schlacht von den französisch-weimarisch-hessischen Truppen gewonnen wurde, gelang es ihnen nicht weiter nach Bayern hinein zu stoßen.

Als im Mai 1647 in Ulm ein Waffenstillstand zwischen Bayern, Schweden und Frankreich geschlossen wurde und der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit Kardinal Mazarin und dem französischen König zu verhandeln suchte, fiel der katholisch ausgerichtete und sowohl der bayerische als auch kaiserliche Sache verschworene General von Werth in einen schweren Gewissenskonflikt. Er zweifelte an den Friedensbemühungen des bayerischen Kurfürsten und fühlte sich letztlich dem Kaiser mehr verpflichtet als dem in seinen Augen abtrünnigen bayerischen Kurfürsten. Um seiner Überzeugung treu zu bleiben, wollte er seine Truppen dem Kaiser zuführen, woraufhin ihn Kurfürst Maximilian für vogelfrei erklärte und auf seinen Kopf einen Preis von 10.000 Talern aussetzte. Auch wurde er als Feldherr abgesetzt, seine Schlösser wurden geplündert und verbrannt. Mit Jan von Werth gingen tatsächlich nur sein Kollege Johann von Sporck (1601-79), einige Offiziere und wenige Truppen zur kaiserlichen Armee über.

Da Kaiser Ferdinand III. aber auf die Armee des bayerischen Kurfürsten angewiesen war, konnte er zunächst nicht zugunsten von Jan von Werth eingreifen. Allerdings lieferte er ihn und seine Offiziere nicht an den bayerischen Kurfürsten aus, sondern versetzte sie in den absoluten „Ruhestand“. Erst als die militärische Lage für die kaiserlich/bayerische Armee problematisch wurde, holte man Jan von Werth. Nach seinen Erfolgen begab er sich nach Wien und wurde dort vom Kaiser, der die bayerische Acht für nichtig erklärte, in den Reichsgrafenstand erhoben. Für seine durch den Übergang in kaiserliche Dienste verlorenen Güter wurde er vom Kaiser mit der Herrschaft Benatek in Böhmen (heute Benátky) entschädigt.

Einmal noch zog der durch die Strapazen der Feldzüge und seine vielen empfangenen Verwundungen (unter anderem eine Pistolenkugel in den Hals) gesundheitlich angegriffene Reitergeneral gegen die Schweden zu Felde und besiegte den schwedischen General Karl Gustav Graf von Wrangel (1613-1676) in der Schlacht bei Dachau am 4. Oktober 1648.
Danach zog sich der dauernd kränkelnde Jan von Wert auf sein Schloss Benatek zurück.
Hier verfasste er kurz vor seinem Tode ein Testament , zu dessen Unterzeichnung es aber nicht mehr gekommen ist.

Jan von Werth erfreute sich bei seinen Soldaten einer großen Popularität, da er immer unter ihnen weilte und, so gut er konnte, immer für seine Dragoner, Kürassiere und Musketiere sorgte.

Der langgediente, kriegsbewährte General, dem nicht nur die Fürsorge für seine Soldaten sondern auch eine möglichst schonende Behandlung der von Kriegswirren heimgesuchten Landbevölkerung stets am Herzen lagen, starb am 12. September 1652 im Alter von 61  Jahren. Wahrscheinlich starb er an einer Blutvergiftung durch eine ältere Verwundung.

Begraben  ist Jan von Werth in der Gruft der Kirche "Maria Geburt" in Neu-Benatek (Nové Benátky). Auf seiner letzten Ruhestätte ist auf einer schlichten Grabtafel aus Zinn vermerkt:

Johannes Liberbaro de Werth, Dominus in Benatek, Odenkirchen, Grumbach, Kellenberg, Erbach etc., "Bodenstein",

In seiner Büttgener Heimatkirche erinnert an diesen großen Soldaten ein Denkmal, das Johann von Werth betend darstellt. Die Stadt Köln gedenkt Jan von Werth mittels eines repräsentativen, prächtigen Standbilds. In Köln wird auch seine Rüstung aufbewahrt.

Jan von Werth war dreimal verheiratet, mit Gertrud von Genth zu Cönen, mit der Gräfin Isabella von Spaur (1637) und mit der Gräfin Susanna von Kufstein (1646). Aus der ersten und zweiten Ehe entsprangen drei Söhne, die jedoch alle in jungen Jahren vor dem Tod des Vaters verstarben, sowie die Tochter Lambertine Irmgardis. Zum Zeitpunkt von Werths Tod war seine dritte Gemahlin, Susanna von Kufstein, hochschwanger. Da Susanna von Kufstein als untreu galt, hatte von Werth in seinem vorbereiteten, aber nicht mehr unterschriebenen Testament geplant, den Sohn seiner Tochter Lambertina mit Freiherrn Winand Raitz von Frentz, Johann Wilhelm, zu adoptieren, so dass diesem anstelle eines möglicherweise nicht von ihm gezeugten Sohnes mit Susanna das Erbe zufallen sollte. Da das Testament nicht mehr zur Unterschrift gekommen war, entbrannten zwischen Susanna und Lambertine langwierige Erbstreitigkeiten. Durch einen Vergleich von 1655 kamen Werths rheinische Güter an Tochter Lambertine, während Benatek an die Witwe Susanna und den Ende 1652 geborenen Sohn Franz Ferdinand kamen. Nach dessen frühen Tod 1671 erbte Lambertine ein Fünftel der Herrschaft Benatek, das ihr Mann im Jahr 1682 an die inzwischen in dritter Ehe verheiratete Witwe Susanne rückveräußerte. Alle Nachfahren Johann von Werths stammen von der Tochter Lambertine und den Überlebenden unter ihren 16 Kindern ab. Der überlebende Bruder Gerhard von Werth hatte 2 Söhne, wovon einer, Johann von Werth (wie sein berühmter Onkel) auch wieder die Soldatenlaufbahn einschlug.


Vom Bauernsohn zum General und Grafen.Der niederrheinische Bauernsohn Johann von Werth ist nach Herkunft, Werdegang und Leistung eine auch heute noch bemerkenswerte Persönlichkeit, obwohl er inzwischen schon 362 Jahre tot ist.

 

(1)   Über den Geburtsort Johann von Werths besteht keine Einigkeit. Außer Büttgen beanspruchen noch die Gemeinden Linnich, Kleinenbroich und Puffendorf, der Geburtsort von Johann von Werth zu sein. In der Mehrheit der Quellen wird von Büttgen als dem Geburtsort ausgegangen zumal Büttgen auch in seinem Testament genannt wird.

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