Kurbairisches Dragonerregiment

 Johann Wolf e.V.

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Formationen, Ordonnanzen und Drillreglements und Anmerkungen, bzw. Richtigstellungen dazu

Die militärische Geschichte des 16ten und 17ten Jahrhunderts hat seine Bedeutung mit der "militärischen Revolution", durch die aus dem Mittelalter mit kleineren Armeen, die  riesigen napoleonischen Armeen des 18ten Jahrhunderts entstanden, erhalten. Der technische Fortschritt der Handfeuerwaffen und das taktische Wissen hatte die Bedeutung der schweren mittelalterlichen Kavallerie reduziert, festigte die Bedeutung der Artillerie auf dem Schlachtfeld und positioniert die Infanterie als Hauptstreitmacht in der Armee.

Spanische Ordonnanz, auch Burgundische Ordonnanz oder Katholische Ordonnanz genannt.

Als bedeutendste Neuerung bildeten die Spanier zwischen 1534/1536 Tercios, dies sind rund 3000 Mann starken Kampfverbände. Dabei war ein anfänglich aus acht Kompanien bestehendes Pikenier-Geviert von einer tiefgestaffelten "Hecke" aus zwei Kompanien Musketieren und/oder Arkebusieren umgeben. Die Musketiere/Arkebusiere standen im Feuerkampf mit der gegnerischen Infanterie und wurden von den Pikenieren insbesondere vor anreitender Kavallerie gedeckt.

Das spanische Tercio wurde die neue Infanterie-Einheit der Könige von Spanien, die die Feuerkraft der Arkebuse (später der Muskete) mit der Pike zu kombinieren wussten. Die Tercio würden 200 Jahre lang die Elitetruppen der spanischen Monarchie bilden. Im Gegensatz zu anderen Truppen kämpften sie nur für einen Herren, den König von Spanien. 

Der Begriff der Spanischen Ordonnanz bezeichnet im eigentlichen die schachbrettartige, gestaffelte Aufstellung mehrerer Tercios (vier als Brigade, mindestens sieben als Doppelbrigade). Die Niederlage in der Schlacht von Rocroi 1643 gegen ein modernes französisches Heer läutete in Spanien das Abrücken von dieser starren Gefechtsordnung ein. Im Lauf der Zeit verlor der Anteil der Stangenwaffen gegenüber den Feuerwaffen mehr und mehr. 1704 wurde dem Wandel auch nominell Rechnung getragen, indem man die alten Tercios in moderne Regimenter transformierte.

 

Niederländische Ordonnanz

Im Rahmen der Oranischen Heeresreform entwickelten die vereinten Niederlande gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine neue Gefechtsaufstellung, um vor allem die bei ihnen größere Zahl von Musketen besser einsetzen zu können. Die Musketiere wurden nun nicht mehr als Hecke um einen Gevierthaufen/ Tercio von Pikenieren gestellt, sondern beide Arten von Fußvolk in jeder Einheit nebeneinander. Gewöhnlich so, dass die Pikeniere in der Mitte standen und auf beiden Flügeln Musketiere und Arkebusiere.

Schwedische Ordonnanz

Gustaf II. Adolf entwickelte bereits vor seinem Eintritt in den  Dreißigjährigen Krieg die Niederländische Ordonnanz weiter. Das Fußvolk wurde nicht mehr so stark nach der Tiefe gestaffelt und die Musketiere wurden in selbständigen Formationen zwischen oder hinter, im Laufe der Zeit jedoch auch immer mehr vor den Pikenieren aufgestellt. Diese Änderung war möglich geworden durch technische Verbesserungen an der Muskete und die Einführung militärischer Ausbildung in Form ständigen Drills. Zugleich war sie durch das stetige Anwachsen der Zahl der Musketiere bei gleichzeitigem Schrumpfen der Pikenierzahl in den Heeren notwendig geworden. Eine Folge war die Zurückdrängung des Nahkampfs und ein immer weiter in den Vordergrund des Kampfes tretendes Feuergefecht. Den entscheidenden Angriff auf den vom Geschütz- und Musketenfeuer geschwächten Gegner führten nicht mehr die Pikeniere, die allmählich vom Schlachtfeld verschwanden, sondern die Reiterei.

Egal nach welcher Ordonnanz nun gekämpft wurde, - die Musketiere und Pikeniere mußten einen gleichen Ausbildungsstand vorweisen. Dies ist mit einer Beschreibung der Vorgänge zu erreichen.

Bereits kurz vor diesem Krieg wurden verschiedene Handbücher über militärische Drills und Handhabung (Wallhausen, Lavater, deGeyn) publiziert. Eine gleiche und immer wieder aufgefrischte Ausbildung gewährleistete eine funktionierende Einheit. Mehrmals reformiert, u.a. von Moritz von Oranien und von Gustaf II. Adolf ergab sich ein effizienter und praktischer Drill der verschiedenen Waffengattungen.

 

Anmerkungen bzw. Richtigstellungen

Gleichschritt

Oftmals wird von selbsternannten Spezialisten behauptet, dass im 30 jährigen Krieg kein Gleichschritt angewandt wurde. Dies stimmt so nicht. Bereits die römischen Legionen erkannten den alten militärischen Spruch: „Es ist die einfachste Methode, eine größere Einheit von A nach B oder auf engstem Raum zu bewegen, wenn mit Gleichschritt marschiert wird“.

Warum wurde im 30 jährigen Krieg mit Trommel marschiert, wenn kein Gleichschritt dazu marschiert wurde? Wie sollte ein Formationsdrill einer größeren Einheit ohne Gleichschritt funktionieren? Der Gleichschritt hat auch einen psychologischen Aspekt, zu lesen in „Mit Gottes Segen in die Hölle“ von Hans Christian Huf. Er stärkt das Gruppen- und Zusammengehörigkeitsgefühl.

Der Gleichschritt wurde im 30 jährigen Krieg angewandt, offiziell eingeführt wurde er wohl erst von Leopold I. Fürst von Anhalt - Dessau (Der alte Dessauer) um 1700.

 

Auf welcher Schulter wird die Muskete getragen?

Warum ließ Wallhausen seine Musketiere die Muskete auf der linken Schulter tragen? Erstens, damit die rechte Hand frei ist und man sich stützen oder wehren kann, zweitens, dass beim schnellen Absetzen der Muskete die Zündpfannen bzw. der Zündpfannendeckel nicht am Ohr hängen bleibt.  Und Drittens erleichtert es den Marsch in der Einheit. Und zudem liegt der Lederriemen des Bandeliers auf der linken Schulter und so kann man die Muskete auf den Riemen legen, der oftmals mit einem ausklappbaren Filz verbessert wurde. So drückt die Muskete nicht so sehr auf die Schulter. Siehe auch http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bandelier.html

Wallhausen: „Weiter soll sich ein Mußquetirer allezeit befleissen / sein Musquett auff der lincken Schultern zu tragen / und allezeit hoch / und nicht allein daß es zierlichen / sondern auch auß dieser Ursachen / daß der Mußquetirer seine rechte Hand frey hat / damit in fallen / straucheln oder anderer ungelegenheit er sich besser behelffen könne / als wenn er beyde hände mit dem Gewehr voll hat. …

Mercke auch / so du die Musquett auff der Schulter mit Furquett wie gewiesen / und im marschiren bist / daß du auch mit eim Zier die Furquett in die rechte hand nimmst / die Musquett auff der lincken Schulter / und mit der Furquett alle tritte / so du den rechten Fuß vorstellst / auff die Erde stampffest.“

(Johann Jacob von Wallhausen: Kriegskunst zu Fuß. Oppenheim 1615, S. 35)

Zudem sieht man auf historischen Bildern, auf welcher Schulter die Muskete getragen wird.

 

Wird fortgesetzt.

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